Worte machen Haltung und schaffen Realitäten

Alles eine Frage der Haltung – Warum Worte unsere Sicht auf Menschen verändern

Neulich kam ich von einer besonderen Erfahrung zurück: Zwei Tage voller kreativer Energie bei einem LEGO® Serious Play® Facilitator Workshop. Wir haben spielerisch mit LEGO-Steinen gearbeitet, um Coaching- und Trainingsthemen zu erkunden – ganz leicht, intuitiv, aber gleichzeitig auch tiefgehend und reflektierend.
Und dann gab es inmitten dieser Leichtigkeit einen Moment, der mich sehr berührt hat.

Als ein Wort den Raum veränderte

In einer Gesprächsrunde fiel der Begriff „Verweigerer“. Sofort spürte ich, wie sich in mir etwas zusammenzog. Ich atmete flacher, ging innerlich in den Widerstand. Und ich war nicht allein damit – auch anderen Teilnehmern ging es ähnlich.
Denn mit einem einzigen Wort hatten wir plötzlich ein Etikett geschaffen. Ein Etikett, das den Blick verengt: Von diesem Moment an sehen wir nicht mehr den Menschen mit all seinen Facetten, sondern nur noch den „Verweigerer“. Wir schließen innerlich ab, statt neugierig zu bleiben.
Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Über Sprache, über Haltung – und darüber, wie oft wir im Alltag unbewusst solche Etiketten verteilen.

Etikettierungen bestimmen, wie wir andere sehen

Vielleicht kennst du das:
Du nennst jemanden „faul“ – und von da an wird jeder seiner Schritte in dieses Bild eingeordnet. Selbst wenn er vielleicht andere Qualitäten hat, die dir noch gar nicht bewusst sind, werden diese unsichtbar. Das Problem dabei ist nicht nur, dass wir dem anderen Unrecht tun. Wir nehmen uns selbst Chancen: eine neue Sichtweise, ein besseres Verständnis, vielleicht sogar eine überraschend gute Zusammenarbeit.
Sprache wirkt wie eine Brille, durch die wir die Welt sehen. Und wenn diese Brille nur bestimmte Farben zulässt, verpassen wir den ganzen Rest des Spektrums.

Wenn Haltung zur zweiten Natur wird

Ich glaube, es geht nicht nur darum, wie wir bewusst auf Menschen zugehen, sondern auch darum, wie sich unsere Haltung automatisch zeigt. Je öfter wir einen Gedanken hinterfragen und unsere Perspektive neu justieren, desto natürlicher wird diese Offenheit.
An diesem Workshop-Tag war es bei mir genau so: Mein Einwand kam nicht aus dem Kopf, sondern direkt aus dem Bauch.
Weil ich mich zuvor schon oft damit beschäftigt hatte, Menschen nicht durch ein einzelnes Wort zu definieren, war die Reaktion intuitiv.
Das ist der Punkt: Wir müssen unsere innere Haltung so oft üben, bis sie selbstverständlich wird.

Ein Alltagsbeispiel

Am Morgen nach dem Workshop überlegte ich, wie man „Hundebesitzer“ gendern könnte. „Hundebesitzende“? Klingt etwas sperrig. Aber in dem Moment, als ich „Besitzende von Hunden“ dachte, geschah etwas Spannendes:
Plötzlich rückte das Wort Besitz in den Vordergrund. Und es fühlte sich falsch an:
Kann man ein Lebewesen wirklich besitzen? Meinen Hund kann ich begleiten, ihm ein Zuhause geben, ihm Sicherheit bieten – aber besitzen? Nein. Diese kleine Sprachverschiebung hat meine Haltung sofort verändert.

Was Worte in uns auslösen

Jedes Wort ist wie ein Same. Aus ihm wachsen Bilder, Gedanken, Gefühle – und diese bestimmen, wie wir handeln. Begriffe wie „Verweigerer“, „faul“ oder „Besitz“ tragen eine Haltung in sich, die wir oft unbewusst übernehmen.
Wenn wir diese Worte erkennen, können wir entscheiden: Will ich diese Brille wirklich tragen – oder probiere ich eine neue aus?

Dein Impuls für die Woche

Achte in den nächsten Tagen einmal bewusst darauf, welche Worte du für Menschen oder Situationen benutzt.
Welche Etiketten klebst du vielleicht automatisch auf?
Welche anderen Facetten könntest du entdecken, wenn du das Etikett löst?
Wie würde sich deine Haltung – und damit auch euer Miteinander – verändern?
Denn jedes Mal, wenn wir unsere Worte ändern, verändern wir auch unser Denken. Und damit öffnen wir die Tür für eine andere Art, miteinander in Kontakt zu treten.